Unterführung Bahnhof Nord

Konzeptbeschrieb

Situation:

Die Unterführung Bümpliz Nord als Verbindung zwischen Bümpliz und Bethlehem, Fellergut und Tscharnergut, ist eine Station, die im Laufe der Jahre ständig gewachsen ist. Die Unterführung ist am Tag stark frequentiert.

Die bestehenden Wandmalereien wurden in den 80er Jahren durch eine Schulklasse unter Aufsicht ihres Zeichnungslehrers erstellt. Die Malereien sind durch verschiedene Schmierereien und Sprayereien verunstaltet. Mittlerweile sind diese Verunreinigungen wieder so gross, dass sich eine Neubemalung aufdrängt. Aufgrund von Gesprächen mit Quartierbewohnern kristallisierte sich heraus, dass die Unterführung momentan ein dunkles und schäbiges Loch sei und man sich darin unwohl fühlt.

Vorgehen

Auch die Studenten der Hochschule der Künste Bern wollen etwas Neues sehen, da sich viele morgens durch diese triste Unterführung schleifen und ihr nichts fröhliches abgewinnen können.

In Zusammenarbeit mit der Stadt Bern, der BLS und der HKB wurde ein neues Konzept erarbeitet, um die Unterführung attraktiver zu gestalten. Um der Dunkelheit der betonierten Unterführung zu entkommen, einigte man sich auf die subkulturelle Sprache der Graffitis. Diese Bilder sprechen durch ihre Farbe und ihre einfache Bildersprache alle Menschen an, egal welcher Herkunft oder welchen Alters.

Da sich Graffitis mit Menschen, Formen und Räumen auseinandersetzt, werden Themen wie Verbindungen von Menschen und Landstrichen einerseits und Transport von Menschen andererseits aufgegriffen und integriert.

Konzept

Die Unterführung ist ca. hundert Meter lang. Es wurde ein Konzept erarbeitet, welches sich vom Eingang bis zum Ende der Unterführung durchzieht. Thema: Reisen, Verbindung, Raum. Mehrere Figuren bewegen sich mit Transportmitteln aller Art (Bahn, Brücken, Raumschiffe..) zur Mitte der Unterführung, wo eine Art Treffpunkt entsteht. Die Figuren bewegen sich durch realistische, aber auch abstrakte Räume, die mit drei- oder zweidimensionalen Schriften verziert sind. Im Mittelteil der Unterführung (Treffpunkt) soll eine Stagebühne installiert werden, welche von Strassenmusikern und Studenten benutzt und belebt werden kann.

Die Farben entsprechen dem Prinzip "Konzentration zur Mitte". Um die Unterführung so hell wie möglich zu gestalten, wurde als Grundfarbton die Farbe Gelb-Beige gewählt. Von den beiden Haupteingängen her verdichtet sich die Farbe zur Mitte hin (d.h. in der Mitte sind die Farben am buntesten).

Die Säulen am Anfang der Unterführung sind ein Teil des Gesamtkonzeptes. Es wäre schade, wenn die Säulen nicht bemalt werden könnten, da sie das eigentliche Portal vom Hof her zur Unterführung bilden.

Wenn genügend Sponsorengelder vorhanden sind, wäre es sogar möglich, die Neubemalung mit einem Graffitischutz zu schützen, damit eine langfristige Haltbarkeit gewährleistet werden kann.

Projektausschuss: Franziska Räz, Andreas Rohrbach, Urs Schenkel, Heiri Kappeler

Projektteam: Studenten der HKB (Hochschule der Künste Bern)

Medienmitteilung

Einweihungsfeier Unterführung Bahnhof Bümpliz Nord

Letzten Samstag wurde die von Studenten der Hochschule der Künste (HKB) neu bemalte Unterführung Bahnhof Bümpliz Nord mit einer kleinen Feier im Hof des Fellerguts eingeweiht.

Seit Januar 04 hat sich eine Projektgruppe, bestehend aus Vertretern des Tiefbauamtes der Stadt Bern, der BLS, der HKB Bern und des Quartierzentrums im Tscharnergut, mit der Neubemalung der Fussgängerunterführung, welche Bethlehem mit Bümpliz verbindet, beschäftigt. In nur gerade knapp einem Jahr ist das Projekt am letzten Samstag mit einer stimmigen Feier, welche von Otto Wenger mit Mundartliedern zum Thema Reisen und Züge umrahmt wurde, eingeweiht worden. Nicole Reichen, Präsidentin Quartierverein Fellergut, Thomas D. Meier, Direktor HKB, und Alex Tschäppät, Gemeinderat, würdigten das Resultat mit durchwegs anerkennenden Voten. Ein weiteres beispielhaftes Projekt im Westen von Bern, welches mit der finanziellen Unterstützung von verschiedenen Sponsoren (Baugesellschaften, Quartiervereine, vs. Firmen), die auf einer ins Werk integrierten Tafel genannt werden, entstehen konnte. Hätte die Stadt als Besitzerin der Unterführung diese mit den zur Verfügung stehenden Mitteln erneuern müssen, würde sie sich heute in einem weissen Kleid präsentieren. Und wie lange sie weiss geblieben wäre kann sich jedermann selber ausmalen. Dies war auch eines der Hauptargumente der Studenten der HKB für ein Vollbild. Der "Ehrenkodex" unter den Sprayern verbietet nämlich das Übersprayen eines bestehenden Werkes. So entstand ein Gemälde zum Thema Reisen, Verbindungen, Bewegung.

Tim Engel, der Sprecher der acht Studenten welche das Kunstwerk in ungefähr einem Monat gesprayt haben, dankte für die erspriessliche Zusammenarbeit aller Beteiligten und freut sich schon jetzt, weitere Aufträge ausführen zu dürfen. Und wie man von Thomas D. Meier erfahren durfte, sind bereits Verhandlungen zwischen der HKB und der Tscharnergut Immobilien AG (TIAG), bezüglich der Renovation des in die Jahre gekommenen Glockenturms auf dem Dorfplatz des Tscharnerguts, im Gange. Es zeigt sich, dass sich die HKB im Berner Westen nicht nur ansiedeln, sondern auch integrieren will. Eine weitere, zukunftsträchtige Aufwertung für Bümpliz/Bethlehem, auf deren Früchte man gespannt sein darf.

Andreas Rohrbach


Quartierzentrum im Tscharnergut

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Letzte Änderung: 07.09.09 16:42